MUTTER ELVIRA (1937-2023)

SIE SAH DIE VERZWEIFLUNG – UND GRÜNDETE CENACOLO

Mitte der 70er-Jahre spürte Schwester Elvira, die seit 20 Jahren bei den Barmherzigen Schwestern der hl. Johanna Antida Thouret lebte, ein Feuer in sich brennen: den Wunsch, Jugendlichen zu helfen, die auf den Straßen verloren gingen, betäubt von Drogen und ohne Hoffnung. Sie sah junge Menschen, die äußerlich alles hatten – Geld, Autos, Bildung – und innerlich tot waren.

Geboren wurde sie am 21. Januar 1937 als Rita Agnese Petrozzi in Sora, Italien, in einer armen Familie mit acht Kindern. 1956 trat sie ins Kloster ein. Jahre später bat sie um Erlaubnis für ihr Herzensprojekt – und wurde zunächst abgelehnt: zu wenig Ausbildung, hieß es. Sie blieb jedoch beharrlich, bis ihr die Stadt Saluzzo 1983 eine verfallene Villa zur Verfügung stellte. Am 16. Juli 1983 begann sie dort mit einer Mitschwester und einer Lehrerin – mit nichts als Vertrauen. Sie schliefen am Boden, kaputte Fensterläden dienten als Tische. Schon nach wenigen Tagen kamen die ersten drogenabhängigen Jugendlichen. Sie blieben, weil sie spürten: Hier hilft jemand wirklich.

So wuchs Cenacolo. Nach fünf Jahren das zweite Haus, 1991 das erste außerhalb Italiens, in Medjugorje. Mutter Elvira, wie sie bald genannt wurde, sprach vor Kardinälen im Vatikan, bei der Wiener Stadtmission 2003, bei Jugendfestivals – ihre Worte trafen mitten ins Herz.

Nach 2010 zeichneten Krankheit und Erschöpfung sie. Zwei Wochen lang zogen Cenacolo-Burschen und -Mädchen aus aller Welt an ihrem Bett vorbei, um ihr zu danken. In der Nacht zum 3. August 2023 starb sie friedlich, während alle ein letztes Salve Regina beteten.

Mutter Elvira fehlt uns – und bleibt doch gegenwärtig: in jedem Haus, jeder Geschichte, die durch sie neu geschrieben wurde.

Buchtipp: „Die Umarmung“

Wer den echten Spirit von Mutter Elvira spüren möchte, dem empfehlen wir ihr Buch „Die Umarmung“. Der Titel ist bei uns Programm: Jede Lebenswende beginnt im Cenacolo mit einer herzlichen Umarmung – als Zeichen, dass jeder bedingungslos willkommen ist. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie Mutter Elvira aus den ärmlichen Verhältnissen ihrer eigenen Kindheit die Kraft schöpfte, verletzten Menschen mit tiefer Würde zu begegnen. Es ist ein Mutmacher für alle, die lernen wollen, Ja zum eigenen Leben zu sagen und Versöhnung zu finden.